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Zeitzünder April 1999 Logo des Zeitzüders


Titelgrafik: Auf die Barikaden  -  9.5.1849: Entrümplung bei Bürgermeister Carnap / 28.3.99: Barrikade bei Bürgermeister Hejo Richter




Inhaltsverzeichnis


Auf die Barrikaden!
Der Elberfelder Barrikaden-Bausatz Modell
80 Tage im Mai - die Kampagne
Elberfelder Erklärung
Spielregeln der Kampagne
Willkommen im Club der Kriegstreiber
Spendenaufruf für die kurdischen Flüchtlinge in der Gemarker Kirche
Veranstaltungshinweise






Auf die Barrikaden!


Dieses Jahr rufen wir zum 150. Mal zur autonomen 1. Mai Demonstration in Wuppertal auf. Sie ist diesmal in die Kampagne "80 Tage im Mai" eingebettet. Diese erstreckt sich von der 1. April-Demo bis zum Weltwirtschaftsgipfel in Köln am 19. Juni 1999. In diesem Zeitraum werden vielfältigte Aktionen und Veranstaltungen durchgeführt.


1849

Wir stellen unsere Demonstration in den historischen Zusammenhang der Kämpfe von 1849 in Elberfeld, als es unseren Vorfahren gelang, das Militär zu vertreiben, 35 Barrikaden zu errichten, 93 Gefangene zu befreien, Daniel von der Heydt in Geiselhaft zu nehmen, Waffen zu beschaffen und die Eisenbahnstrecken zu sabotieren. 8 Tage lang war die Stadt in der Hand der Aufständischen. Höhepunkt des Elberfelder Aufstandes war unbestritten die Demolierung des Hauses des damaligen Bürgermeisters Carnap und der kreative Einsatz des gesamten Mobiliars der Familie Carnap als schönste Barrikade in Elberfeld. Diesem Beispiel wollen wir nacheifern. Die alte Parole "Friede den Hütten! Krieg den Palästen" ist und bleibt taufrisch und sozialrevolutionär für alle Zeiten, bis die Herrschaft der Menschen über die Menschen ein Ende hat.
Schon damals war vor allem das Konkrete umkämpft, das waren die Gegenstände des alltäglichen Lebens und Uberlebens, dasjenige, was für ein halbwegs menschenwürdiges Leben als unabdingbar galt: ausreichende Nahrung, regelmäßige Arbeit (naja), hinreichendes Einkommen (sehr wichtig), eindeutige Rechte und legitime Ansprüche auf Resourcen, die ein auskömmliches Dasein sicherten. Umkämpft waren auch die sozialen Orte, die Straße, die Kneipen, die Gesellenherbergen und autonomen Zentren. Sie waren zentral als Orte der Kommunikation, als Versammlungsort zum Austausch von Meinungen, als Tankstelle für Branntwein und Schwelmer Pils, als Ort der öffentlichen Notklage, des öffentlichen Verhöhnens, der kollektiven Rüge für missliebige Personen von Macht und Reichtum, als Tribüne zur Formulierung kollektiver Wünsche, als Ort des nachhaltigen Forderns und Drohens, nicht zuletzt auch der Androhung und auch Ausübung von Gewalt gegenüber Privatpersonen und Obrigkeiten.
Ein wichtiges Kampmittel war damals neben dem Barrikadenkampf die Katzenmusik. "catza musicarum" war der kollektive nächtliche Besuch bei ausgewählten, besonders verhassten Vertretern der herrschenden Klasse mit Musik, Liedgut und Pflastersteinen. In der modernisierten Form in der 1848-Revolution zielten diese symbolischen Strafaktionen gegen lokale Honoratioren, und andere Autoritätspersonen: Bürgermeister, Stadträte, politische Abgeordnete, mißliebige Journalisten und unbeliebte, überzogen hart strafende Richter, "hartherzige" Ärzte, gegen reaktionäre Lehrer und Pfarrer, gegen "geizige", als unbarmherzige geltende Kaufleute und Fabrikanten, Ganz offenkundig waren diese expressiven, häufig äußerst klamaukhaften und buntschillernden Formen politischen Straßentheaters eine angemessene Handlungsform der "kleinen Leute" (M. Gailus)
Die Erinnerung an die Emanzipationsbewegungen der Vergangeheit wird in den kommenden gesellschaftlichen Auseinandersetzungen eine wichtige Rolle spielen. "Der Klassenkampf, so formulierte W. Benjamin, "ist ein Kampf um die rohen materiellen Dinge, ohne die es keine feinen und spirituellen gibt. Trotzdem sind diese letzeren im Klassenkampf anders zugegen denn als die Vorstellung einer Beute, die an den Sieger fällt. Sie sind als Zuversicht, als Mut, als Humor, als List, als Unentwegtheit in diesem Kampf lebendig, und sie wirken in die Ferne der Zeit zurück. Sie werden immer von neuem jeden Sieg, der den Herrschenden jemals zugefallen ist, in Frage stellen."


1999

Wir haben schon lange die Schnauze voll von dem Normalzustand in diesem Land, wir wollen es nicht ertragen, daß hier vor unseren Augen Menschenrechte eklatant verletzt werden, wie in Gefängnissen und auf Polizeirevieren, daß die Polizei sich das Recht nimmt, kurdische Menschen zu verfolgen, die SchreibtischtäterInnen vom Ausländeramt weiterhin Flüchtlinge ungestraft demütigen und anschließend in Folter und Elend abschieben. Daß ausgerechnet die NATO sich als selbsternannter Retter der Menschenrechte aufspielt und per Bomben auf Belgrad die Menschenrechte beschützt, während zur gleichen Zeit der Bundesgrenzschutz an der Ostgrenze mit Vorliebe auf Kosovo-Albaner eine Menschenjagd veranstaltet, um sie am illegalen Grenzübertritt zu hindern.
Das Morden im Kosovo zwänge halt zum Bomben, erklären uns heute die ehemals friedensbewegten Grünen-SpitzenpolitikerInnen. Mit der Bombardierung Jugoslawiens haben sie erfolgreich einen Präzedenzfall geschaffen, mit dem sich trefflich eine neue Weltordnung aufbauen lässt. Aber der moralisch begründete Angriffskrieg der NATO von heute wird augenscheinlich nur dann geführt, wenn die Empörung über "humane Kathastrophen" mit geopolitischen Interessen einhergeht. Ein Minderheitenproblem muß nur entsprechend instrumentalisiert und medial aufbereitet werden, dann kann die NATO ihre humanitären Kampfer schicken.
Aber der Krieg, den die NATO-Menschenrechtler "zugunsten" der albanischen Zivilbevölkerung veranstalten, hat bisher keine Menschenleben gerettet. Im Gegenteil, dieser Angriffskrieg war der willkommene Katalysator für die Vertreibung und Massakrierung der albanischen Zivilbevölkerung. Die Opposition und die Reste von sozialer Bewegung gegen Milosevic haben unter den Bomben der NATO keine Chance mehr. Der Krieg in Jugoslawien hat komplexe Ursachen. Die mörderische Politik der "ethnischen Säuberungen" basiert auf irrationalem Hass und langjähriger rassistischer Ausgrenzung der albanischen Bevölkerung. Sie ist nicht einfach durch Ausschaltung oder Domestizierung von Milosevic aus der Welt zu schaffen. Eine Lösung liegt eher in der Schaffung von sozialer Gerechtigkeit und einem Leben ohne Not und Elend auch in den Peripherien Europas. (Übrigens, die 20 Milliarden DM, die bis jetzt in den mörderischen High-Tech Krieg geflossen sind, hätten die Lebensumstände der Menschen in diesen Armenhäusern Europas radikal ändern können.)

Unser Widerstand gegen den Balkan-Krieg muß natürlich auch Partei ergreifen: Sie muß Partei ergreifen für die wenigen Menschen aus der Friedens, Frauen- und aus anderen sozialen Bewegungen Jugolawiens, die sich der rassistischen Politik Serbiens in den Weg gestellt haben.
Für die Soldaten, die sich weigern, sich an der Vertreibung der albanischen Bevölkerung zu beteiligen und die aus der serbischen Armee desertiert sind.
Schließlich wollen wir an die Generation in Jugoslawien erinnern, die jetzt zum zweiten Mal in ihrem Leben vor deutschen Bombern in Luftschutzkellern Zuflucht suchen muß. Die noch genau wissen, wie die Mörder der deutschen Wehrmacht in Zusammenarbeit mit der faschistischen Ustascha Zehntausende gemordet haben. Wir grüßen mit unserem Widerstand gegen den Nato-Krieg die Überlebenden, insbesondere die Menschen aus den Partisanenverbänden, denen es gelang, Jugoslawien von der Nazibarbarei zu befreien. Sie sollen wissen, das nicht alle in Deutschland dem Krieg zustimmen.

Wir ergreifen weder für die Serbische Regierung, noch für die UCK Partei. Der Kampf gegen jede Form von Rassismus und Nationalismus bleibt das Gebot der Stunde. Wir nehmen aber Partei für die zahllosen Flüchtlinge, die vor dem Bürgerkrieg und den Massakern geflohen sind und die versuchen aus den Armenhäusern und Elendszonen von Mazedonien und Albanien in die reichen Länder zu fliehen. Ihnen gehört unsere Solidarität und hoffentlich gelingt es ihnen an den Grenzen von "Schengenland" und an den Menschenjägern vom BGS vorbei Zuflucht zu finden. Die Frauen und Kinder auf der Flucht und die Männer, die sich durch Flucht und Desertation der Beteiligung an der Gewaltmaschine entziehen, sind die Kriegspartei, auf deren Seite wir stehen.
Im Kampf um offene Grenzen und gegen die Internierung der Flüchtlinge in Lagern, in der Unterstützung der Flüchtlinge bei der Einreise in unsere reichen Länder, beim Grenzübertritt und in der Unterstützung gegenüber den Behörden könnten unsere Aufgaben liegen.
Der Aufruf von "kein Mensch ist illegal", eigene Schleusungsstrukturen für den illegalen Grenzübertritt vorzubereiten, könnte ein praktischer Schritt sein, die Strategie der Herrschenden zu untergraben, die Flüchtlinge in den Armenhäusern Europas zu kasernieren und dort zu vernutzen.

Wir können das Geschwätz der rot-grünen Regierung nicht ertragen, Menschenrechte seien unteilbar. In China gibts rotgrünen Rabatt für die wertvollen Geschäftsbeziehungen fürs deutsche Kapital, in der Türkei werden der Bürgerkrieg, die Auslöschung der kurdischen Dörfer, die Vertreibung und die ethnischen Säuberungen honoriert durch Militär- und Polizeihilfe, durch Lieferungen von Panzern und U-Booten. Flüchtlinge werden illegalisiert und massenhaft abgeschoben. Für KurdInnen gilt der Menschenrechtseifer der grünen Juniorpartner nicht. Im Gegenteil: die ersten rot-grünen Waffenlieferungen an die Türkei werden gerade parlamentarisch auf den Weg gebracht.
Zur Klarstellung: Wir fordern keineswegs von der oliv-grünen "Menschenrechts"partei die Bombardierung Ankaras, das würde die Konflikte in der Türkei - genau wie im Kosovo- wohl auch nicht lösen, auch können wir von den Grünen als pazifistische Partei schlecht die Bombardierung der deutschen Rüstungsschmieden erwarten. Das müsste die militante Linke dann schon selber tun.


Kein Mensch ist illegal! Bleiberecht für die KurdInnen in der Gemarker Kirche


Die 400 kurdischen Flüchtlinge, die im Wanderkirchenasyl für ihre Anerkennung als Bürgerkriegsflüchtlinge kämpfen, werden vom Innenministerium NRW immer stärker unter Druck gesetzt, sich in einem für die meisten aussichtlosen, bürokratischen Verfahren("Einzelfallprüfung") vereinzeln zu lassen und ihr Schicksal der Willkür der SchreibtischtäterInnen in den Ausländerbehörden zu überantworten.
Davon sind auch die 27 Flüchtlinge betroffen, die seit Ende November 98 in der Gemarker Kirche Zuflucht vor der deutschen Abschiebemaschinerie gefunden hatten. Bereits in den ersten Kontakten mit den jeweiligen Ausländerbehörden wurde klar, daß in den nächsten Wochen und Monaten viele der Kurdlnnen aus der Gemarker Kirche wieder akut gegen ihre Abschiebung kämpfen und damit um ihr Leben fürchten müssen! Die Ohnmacht und die Wut, aber auch Hoffnungen auf eine Duldung oder eine Anerkennung im Zuge der Einzelfallprüfung, lassen gerade jetzt in diesen Wochen die Situation für die Flüchtlinge zu einer Zerreißprobe werden. Die Angst vor einer drohenden Raumung und Abschiebung haben die Flüchtlinge an die Grenze der psychischen Belastbarkeit gebracht. Auch für uns als UnterstützerInnen hat sich seit dem Tag ihrer Zuflucht in der Gemarker Kirche viel verändert.
Anstatt wie früher "nur" aus einer abstrakten antirassistischen Motivation gegen die herrschende Asyl- und Flüchtlingspolitik anzukampfen - fast ohne persönlichen Bezug zu den Betroffenen dieser Politik -, haben diese nun Gesichter bekommen; es stehen konkreten Menschen vor uns, mit einer konkreten Geschichte und mit ihren Schicksalen.
Was uns allen kopfmäßig vermeintlich schon lange klar war, bekommt ein Gesicht und viele erleben erstmalig mit, was es heißt, den bürokratischen Verfahren und der Gewaltmaschine von Ausländerämtern und Polizei ausgeliefert zu sein. Aber auch die Herren und Damen vom Ausländeramt bekommen Gesichter, ihre "Arbeit" wird äußerst transparent, jede Demütigung, jede Drohung und jeder Versuch die Menschenjäger loszulassen, wird auf einmal aufmerksam verfolgt. Das Unrecht ist nicht mehr anonym und versteckt sich nicht allein hinter Gesetzen, Ministerien und Gefangnismauern, sondern es tritt als deutscher Beamter in die Öffentlichkeit. Die Kirchenzuflucht hat schon jetzt dafür gesorgt, daß der politische Preis für eine gewaltsame Raumung des Wanderkirchenasyls hoch ist. Und daß zur Zeit an klamniheimliche Abschiebeaktionen im deutschen Morgengrauen nicht zu denken ist. Deswegen: Nutzen wir Zeit!


Auf die Barrikaden!


Wir rufen gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Jugoslawien, Kosovo und Kurdistan zu vielfältigen, verantwortlichen und gezielten Aktionen auf. So beabsichtigen die FreundInnen des Bergischen Barrikadenkampfes sich streng an das historische Vorbild von 1849 zu halten und bis zum 19. Juni 99 im Großraum Bergisch Land mindestens 35 Barrikaden an politisch relevanten Stellen zu errichten.
Die politischen Angriffslinien und Objekte liegen auf der Hand bzw. auf der Straße. Neben der aktuellen Kriegspolitik und der Flüchtlingsfrage werden wir uns auch verstärkt um die Aufmärsche der Faschisten kümmern müssen., die am 1 Mai in Bremen und am 22. Mai in Köln terminiert sind. Auch hierbei könnten Barrikaden wertvolle Hilfsmittel sein. Und nicht zuletzt rufen wir zu einer Beteiligung am Gipfelsturm gegen den EU und Weltwirtschaftsgipfel auf.

In diesem Sinne:



Nicht nur ein Lachen wird es sein, was euch beerdigt!


Heraus zur autonomen 1. Mai Demo in Wuppertal!
Vorwärts mit dem Transbergischen Triathion am 30. Mai!






Der Elberfelder Barrikaden-Bausatz Modell


1999 enthält folgende unentbehrliche Ingredenzien: 2 alte Sofas, einen Ölberger Poller, einen Raps-Blumenstrauß, ein Bildnis von H.J. Richter, ein Kruzifix mit Bundeswehrstahlhelm mit dem Schild "Wir trauern um die deutschen Tornado-Piloten, runter gefallen in Serbien", einen zerstoßenen Gartenzwerg im Beutel, 2 Wasserklosetts, eine Wirtschaftswunder-Stehlampe, eine Matratze der Marke "Richter verpiß dich! ", ein Sessel "Konrad Adenauer", einen Sack alte Schuhe für den Schuhverkäufer, eine Palette Yoghurt "Mild", eine gemischte Tüte Müll für die Kampagne "Sauberes Wuppertal", ein großes HB-Männchen, eine zweite gemischte Tüte Müll, eine schwarz-rote Fahne, einen gemischten Chor "He. Jo, spann den Wagen an", einen Polizeiwagen "grün", eine dritte gemischte Tüte Müll, einen Fernseher "oll", und last not least eine vierte gemischte Tüte Müll. Dies alles wurde durch unsere Barrikadenkommissarin Frau Engels politisch korrekt drapiert. Wir waren begeistert.







80 Tage im Mai - die Kampagne



Was bisher geschah:


24.3.99
Beginn des Nato-Kriegs auf Jugoslawien


25.3.99
Die Geschäftsstelle von B 90 - Die Grünen in Wuppertal bekommt Besuch von einigen Litern roter Farbe wg der grünen Beteiligung am Krieg.
"Wer schweigt stimmt zu!"


27.3.99
Der Wahlkampfbus von CDU-Chef Richer wird in Cronenberg demoliert. "Ein autonomes Elberfelder Barrikaden- und "Joghurt ist Freiheit" Kommando übernimmt die Verantwortung.


28.3.99
Eine Pressekonferenz mit einem Original-Barrikaden-Bausatz aus Elberfeld wird vor dem Haus von H.J. Richter errichtet. Offizieller Startschuß der Kampagne "80 Tage im Mai".


1.4.99
Die "Barrikadenbaugenossenschaft al bundy (sektion nächstebreck)" errichtet in der Brillerstraße die erste Barrikade. "Aergert die Bonzen, wo ihr sie trefft!"
Die 2. Barrikade wurde im Anschluß an die 1. April-Demo in der Neuen Friedrichstraße von einem "autonomen Haß ist wichtig, Spass muß sein Kommando" errichtet und angezündet.
Bei der 1. April-Demo trat die Widerstandgruppe "Joghurt ist Widerstand" in Aktion, und warfen Joghurts auf die Sparkasse und ein Zivi-Auto.


2.4.99
Unter der Parole "Halts Maul Deutschland und Kaiserreich" wurden in Vohwinkel eine Reichskriegs- und eine BRD-Flagge vom Fahnenmast geholt und angezündet.







An die Freie Presse


Elberfelder Erklärung "Tut um Gottes Willen etwas Tapferes?? (Karl Immer)

80 Tage im Mai - die Kampagne



Der Tanz geht los! Der Feind rückt an!
Die Preußen stehen vor den Thoren!.
In Elberfeld gibts harten Strauß,
und Prügel gibts nach Noten;
Die Preußen ziehn zur Stadt hinaus
Mit fünf drei Viertel Todten.

In Elberfeld gehts lustig her:
Die Rheinischen Lazzaroni (italienische FreiheitskämpferInnen)
Bau'n Barrikaden vom Golde schwer, von
Silber und Mahagoni

Und all die blanke Herrlichkeit,
Bildsäulen, Spiegel und Lüstre,
Die liefert Herr Daniel von der Heydt,
der Bruder vom Handelsminister



Wir haben heute am heiligen Sonntag, im Bezirk Nächstebreck mit einem Orginalbausatz "Elberfelder Barrikade" eine öffentliche Barrikadenpressekonferenz vor dem Haus des 3. Bürgermeisters Hermann Josef Richter (CDU) veranstaltet. Für die Müllentsorgung, muß der rassistische Saubermann Richter dann wohl selber sorgen...
Diese Baumaßnahme ist unser Dank für die rassistische Unterschriftenkampagne der CDU, aber auch für eine jahrzehntelange Kontinuität an Dumpfbeuteligkeit rassisischem Geschwätz und Hetze gegen Minderheiten. Richter kriecht unter jeden Stammtisch, seine Kampagnen richten sich mit Vorliebe gegen SozialhilfeempfängerInnen, Obdachlose und AusländerInnen. Auf dem politischen Aschermittwoch sprach er sich sogar gegen die Wehrmachtsausstellung aus. "Deutsche Soldaten sind keine Verbrecher."

Diese Aktion soll aber vor allem der Startschuß und die Matinee zugleich für unsere Kampagne "80 Tage im Mai" sein. Sie erstreckt sich von der 1 .April Demo bis zum Weltwirtschaftsgipfel in Köln am 19. Juni 1999. In diesem Zeitraum werden vielfältigste Aktionen und Veranstaltungen durchgeführt. Näheres ist dem vorläufigen Terminkalender zu entnehmen.



Zu den Spielregeln:

In einer kurzen Erklärung sollten aber die wichtigsten politischen Beweggründe der interessierten Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Sehr schön wäre auch ein Foto oder eine Videoreportage der Aktion. Am Ende der Kampagne wird eine unabhängige Jury aus Veteranen der autonomen Bewegung in Wuppertal über die schönste Barrikade zu entscheiden haben. Selbstverständlich winken wertvoll Preise.






Willkommen im Club der Kriegstreiber

Zur Besetzung der Bundesgeschäftsstelle von Bündnis 90 / Die Grünen am 7.4.1999 in Bonn Baunscheidstr. la

Einige Impressionen aus dem Club der Kriegstreiber:


35 Menschen aus antirassistischen Gruppen aus verschiedenen Städten aus NRW haben für mehrere Stunden die Bundesgeschäftsstelle der B90/ Die Grünen besetzt, alle Buros untersucht, Transparente gehisst, Kekse und Nudeln verzehrt, uns mit -möglicherweise zu schlechtbezahlten- grünen Hausmeistern und Pressesprechern herumgeärgert, um die Forderung durchzusetzen, mit einem/r der prominenten KriegstreiberInnen aus den Reihen der Grünen ein öffentliches Gespräch zu führen. Wir wollen öffentlich die Doppelmoral der Grünen angreifen, einerseits die Menschenrechte im Kosovo per NATO - Angriffskrieg zu retten, andererseits genauso entschlossen im Bürgerkrieg gegen die KurdInnen den NATO-Partner Türkei mit Waffenlieferungen und Abschiebungen zu unterstützen. Aber wir fordern ganz realpolitisch:
Leider war die Parteiprominenz wie die NATO-Jets ausgeflogen, weder die von uns avisierten Angelika Beer, Jürgen Trittin oder Ludger Volmer waren für ein "öffentliches Streitgespräch mit den BesetzerInnen unter den Augen der freien Presse", so unsere Forderung, nicht aufzutreiben. Da wir bei der Anreise zur Besetzung schon die Bundesvorstandssprecherin Frau Radcke, ebenfalls eine Befürworterin des Krieges, in der Straßenbahn von Bonn gesichtet hatten, war die Sache schnell klar. Die Kriegstreiberfraktion hatte eine prominente Vertretung, die freie Presse und insgesamt fünf Filmteams waren zu unserer Pressekonferenz zur Stelle. Wer fehlte, war Frau Radcke. Sie war leider nicht bereit, sich öffentlich mit den BesetzerInnen über die Kriegspolitik der Grünen auseinanderzusetzen. Ein Geheimgespräch mit Frau Radcke ohne Presse mußten wir dagegen ablehnen, weil es uns schlichtweg zu langweilig gewesen wäre. So nahmen die Dinge ihren Lauf. Frau Radcke schloß sich in ihr Büro ein, die BesetzerInnen rüttelten zusammen mit den Medienvertretern an ihrer Bürotür. Der grüne Hausmeister oder wars der Pressesprecher, drohte mit der Polizei. Frau Radcke ließ sich aber nicht mehr erweichen. Der Keksvorrat ging zur Neige, das Nudelgericht war verzehrt, die freie Presse und die Filmteams hatte neue Termine und verschwanden.
So mußten wir neu entscheiden. Sollten wir, wir der linke fundamentalistische Flügel forderte, bleiben bis zum Ende, die Schlafsäcke ausbreiten und auf einen Blitzbesuch von Josef Fischer bestehen oder respektive warten, oder setzten sich die Realos in unserer Runde durch; die zu Recht feststellten, daß die Keke auf waren, die freie Presse entschwunden, der Hausmeister immer noch ätzend und Frau Radcke immerhin in ihrem Büro schon gefangen saß.
Die Debatte war hart, aber ehrlich. Die Öffentlichkeit schien ausreichend hergestellt, Frau Radke war gefangen und wir einigten uns auf einen Sonderparteitag an Christi Himmelfahrt. So verließen wir, nicht ohne den Müll einzusammeln, nicht ohne dem Hausmeister und dem Pressesprecher unser Wiederkommen anzudrohen und nicht ohne die gerahmten Friedensplakate der Grünen aus ihrer pazifistischen Frühphase mitgehen zulassen, die Geschäftsstelle. Der Protest des Pressesprechers, dies sei Diebstahl, verhallte ungehört. Die Friedensbilder wurden im Anschluß dem Haus der Geschichte übergeben.







Spendenaufruf für die kurdischen Flüchtlinge in der Gemarker Kirche


Die Kampagne "kein Mensch ist illegal" ist ein bundesweiter Zusammenschluß, der die menschenverachtende Behandlung von Flüchtlingen durch deutsche Behörden und die ebenso rassistischen Maßnahmen der EU-Politik nicht länger hinnimmt. In NRW unterstützen wir - das lokale Netzwerk der Kampagne - zur Zeit über 400 kurdische Flüchtlinge, die als "Illegale" in Kirchen in ganz NRW seit Januar 1998 Zuflucht finden. 27 dieser Flüchtlinge sind in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen untergebracht.
Alle kurdischen Flüchtlinge müssen damit rechnen, bei ihrer Abschiebung in die Türkei gefoltert zu werden. Dafür gibt es unzählige und glaubhafte Beweise. Die Unterstützung "illegal" hier lebender Menschen bedeutet für uns eine persönliche Verpflichtung gegenüber den Flüchtlingen.
Das heißt persönlicheR AnsprechpartnerIn zu sein, als MittlerIn zu den Kirchengemeinden verläßlich zu handeln, die medizinische Versorgung der Flüchtlinge und den Schulbesuch der Kinder zu organisieren, die Schicksale der Familien juristisch aufzuarbeiten, mit Behörden und politischen Institutionen zu verhandeln, die Situation der Flüchtlinge öffentlich zu machen, Veranstaltungen und Aktionen durchzuführen.
Es bedeutet auch, die Mittel dafür aufzubringen, insbesondere die materielle Versorgung der Flüchtlinge sicherzustellen.


Wir bitten um Ihre Spende.

Freie Medien e.V.
Konto-Nr. 470834-437
Postbank Essen 36010043
Stichwort: Kirchenzuflucht








Veranstaltungshinweise




17.4.99, Samstag

12.00 Bonn
Großdemonstration Freiheit und Demokratie für Kurdistan!

12.00 Ölberg
Umzug


18.4.99, Sonntag

10.00 Wenzelbergschlucht
Gedenkfeier für die 1945 von der Gestapo ermordeten Gefangenen

15.00 Airbase Spangdahlen / Eifel
Demonstration gegen den Balkankrieg


19.4.99 Montag

10.00 Amtsgericht Wuppertal
Raum 232
Prozeß gegen Stephan wegen der 1. Mai Demo 1994 in Wuppertal.
"Staatsschutzlügen haben kurze Beine." Auf den Stelzen der komplette Staatsschutz: die Herren Aktenfälscher Stürmer, Schmökel, Meinercke, Fikenzer, Vajes.

19.30 AZ
Bergischen Forum gegen den Balkankrieg. Bündnistreffen gegen den Krieg.


20.2.99, Dienstag

17.30 Kerstenplatz
wöchentliche Protestversammlung gegen den Balkankrieg

19.00 AZ
wöchentliches Treffen der Unterstützerinnen der Kirchenzuflucht Gemarker Kirche

20.00 AZ Cronenberg
Cronenberg macht Kneipe!


22.4.99, Donnerstag

18.00 AZ
Offenes Antifa-Treffen. Jetzt jede Woche!!!:

19.30 Börse
Diskussionsveranstaltung zum Krieg auf dem Balkan mit Abgeordneten von B 90/ Die Grünen (angefragt) und VertreterInnen der Friedensbewegung.


23.4.99, Freitag

21.00 AZ
Konzert mit Bambi Davidson (NL) + Fuzzy, die Kneipe betreut das Team aus der Brunnenstraße


27.4.99, Dienstag

20.00 AZ
FrauenLesben-Kneipe


28.4.99, Mittwoch

20.00 AZ
1.Mai Vorbereitung, Straßenfest, Demo, Nazis und Giraffen.


30.4 .99, Freitag

Kein Wuppertaler Nazi nach Bremen! Antifaschistischer Hausarrest bei ausgewählten Nazis.
Achtet auf Flugblätter


1.5.99, Samstag

14.00 Platz der Republik
Autonome 1. Mai Demo - anschließend Straßenfest auf dem Schusterplatz


8.5.99, Samstag

11.00 Friedhof Norrenberg, Heckinghausen
Zum Jahrestag der Befreiung vom Faschismus Gedenkveranstaltung an den Gräbern der russischen und polnischen Kriegsgefangenen

17.00 Begegnungsstätte Alte Synagoge
Ausstellung: Frauen im Konzentrationslager 1933-1945. Moringen-Lichtenburg Ravensbruck.
Ausstellungseröffnung


30.5.99 Sonntag

4. Transbergischer Triathlon
Bitte vormerken!




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Falls Ihr Anregungen, Kritik usw. habt, dann schreibt an: azwuppertal@as-if.com
Stand: 28.4.1999